Möglichkeiten und Grenzen des christlich-islamischen Dialogs

Voll - Hoch - Achtung!

Das Dekanat Maifeld-Untermosel hatte zu einem Vortrag mit Diskussion zum weiten Feld des Christlich-Islamischen Dialogs eingeladen und über 80 interessierte Menschen kamen am Mittwoch, 21. September ins Pfarrheim nach Kobern. Frau Nora Kalbarczyk von CIBEDO, Christlich-Islamische Begegnungs- und Dokumentationsstelle der Deutschen Bischofskonferenz mit Sitz in Frankfurt/Main eröffnete mit ihrem Vortrag als Auftaktveranstaltung weitere geplante Vorhaben des Dekanates zum Thema. Die anschließende Diskussion zeigte, wie brennend die Fragen sind, die sich aus den unterschiedlichen Lebens- und Glaubensweisen ergeben.

Dechant Jörg Schuh unterstrich in seiner Begrüßung die Bedeutung des Dialogs in der Begegnung der beiden Weltreligionen, was sich auch in der konkreten Praxis vor Ort in den Pfarreien aufbauen lässt. Pastoralreferent Werner Huffer-Kilian führte fort, indem er mit der Figur des „Abraham“ auf den gemeinsamen Ursprung von Judentum, Christentum und Islam hinwies. Nur in der Begegnung und im Gespräch lassen sich Vorurteile und Diskriminierung abbauen.

Die Vielfalt des Islam stellte die Referentin an den Anfang ihres Vortrages und stellte fest, dass sich derzeit knapp 5 Millionen Menschen in Deutschland zum Islam bekennen, davon sind 63% dem türkisch geprägten Islam verbunden. Sie eint das Bekenntnis zu Gott, dem Einen, während sich im Laufe der Geschichte eine Vielfalt des Glaubens entwickelte: Sunniten und Schiiten, Aleviten und Wahabiten, Salafisten und andere mehr.

Frau Kalbarczyk unterschied klar und eindeutig den Islam vom Islamismus. Letzteren bezeichnete sie nicht mehr als Religion sondern als Herrschaftsideologie, die eine unteilbare Einheit von Staat und Religion umsetzen will, den Koran als staatliches Gesetzbuch betrachtet und Gewalt als legitimes Mittel zur Durchsetzung eigener Interessen ansieht. Es ist der Versuch einiger politischer Strömungen, sich dieses Instrumentes der Religion zu bedienen.

Das katholische Lehramt vollzog mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil Anfang der 60er Jahre eine Kehrtwende. Während davor oft hochoffiziell vom Islam als Konkurrenz-Religion und militärischer Bedrohung die Rede war, sprach man nun von der Hochachtung der Kirche vor dem Islam, dem man „mit Klugheit und Liebe“ begegnet. Das Dokument Nostra Aetate weist darauf hin, dass man gemeinsam antritt für den „Schutz und die Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.“ Anschließend wurde der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog gegründet.

Was heißt nun Dialog? Gleichberechtigte Partner reden auf verschiedenen Ebenen miteinander: Dialog des Lebens im Alltag, z.B. in unseren Ortsgemeinden, wenn es um Feste und Einladungen und um praktische Zusammenarbeit geht. Es gibt parallel dazu den theologischen Dialog von Fachleuten z.B. des Päpstlichen Rates mit der Kairoer Universität, den Austausch von spirituell-religiöser Erfahrung z.B. im Gebet und die Diskussion unter den Gläubigen untereinander. Immer gilt es, als Gleichberechtigte miteinander umzugehen, selbst eine religiöse Sprechfähigkeit zu entwickeln, interkulturelle und interreligiöse Kompetenz zu zeigen und zu Kritik und Selbstkritik fähig zu sein.

Frau Kalbarczyk legte die grundlegenden Unterschiede im Gottesbild (Gott der Eine – Gott in drei Personen), in der Betrachtung der Person Jesu (Menschwerdung Gottes – Gott ist unnahbar) und in der Offenbarung (Koran – Jesus) dar. Anhand von drei Praxisfeldern (Kindergarten, Krankenhaus und Gebet) wurde klar, wie sehr wir Neuland mit dem Thema betreten und dass Lösungen im Gespräch gefunden werden müssen.

In der anschließenden Diskussion wurden Sachfragen um den Islam ebenso erklärt wie auch die hohe Stellung der Barmherzigkeit. Sehr hinterfragt wurde aufgrund eigener Erfahrungen die Dialogfähigkeit von Muslimen (Kirchenbauverbot in der Türkei, Haltung gegenüber Christen als Ungläubige) sowie  die Stellung von Mann und Frau. Die Referentin betonte klar und eindeutig, dass auch der Koran den Frauen die gleiche Würde zuspricht, dass viele Themen „in der Zeit der Entstehung der Texte zu sehen sind“ und dass man im Dialog auf gegenseitiger Hochachtung baue und auch bestehe. Es muss eben zwischen Islam und Islamismus unterschieden werden. Die Vielfalt des Islam mit seinen anderen Strukturen sollte nicht als Defizit behandelt werden.

Es traf sich gut, dass Frau Grace Dahmke vom Beirat für Migration und Integration des Kreises Mayen-Koblenz auf das Begegnungsfest am folgenden Sonntag hinwies und herzlich einlud, zum Dialog eben.

Die zweite Veranstaltung in der Reihe Christlich-Islamischer Dialog mit Frau Ghazel Wahisi, Islamwissenschaftlerin und Soziologin findet am Donnerstag, 17. November, zum selben Thema aus ihrer Sicht als Muslima statt. Frau Wahisi stellte sich an dem Abend schon vor und lud herzlich zu Ihrem Vortrag ein.